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Boxen-Test: Seeburg – KS Audio – Thomann – KME

Montag, 22. November 2010

Dieser Blogeintrag ist einmal für alle Musiker und Bands gedacht, die das Internet nach Vergleichen, Tests und Meinungen zu aktiven PA-Boxen durchsuchen. Wir selbst wollten uns schon lange eine vernünftige PA (für 50 – ca. 300 Personen) kaufen und haben zunächst auch das Internet nach Meinungen und Testberichten durchforstet. Aber das Beste ist natürlich immer: selbst anhören. Unser erklärter Lieblingsmusikladen Thomann ist aber leider ein ganzes Stück entfernt von uns und außerdem hatten wir schon einmal das Erlebnis, daß eine im Vorführraum als toll empfundene Box dann unter Realbedingungen nicht überzeugt hat. Wir wollten uns also nicht nur den Tagesausflug sparen, sondern auch in einem kleinen Saal testen, der akustische Ecken und Kanten hat und nicht so perfekt klingt wie ein akustisch optimierter Vorführraum.

Aus verschiedenen Gründen, die wir uns hier ersparen aufzuzählen, kamen die folgenden Kandidaten zum Einsatz:

1. 2x Seeburg acoustic line TSM 12 dp & 1x TSM Sub dp+

2. KS Audio Sat 3.0

3. KME Versio VL 750

4. Thomann the box PA302 A

Die Thomann Box war jahrelang unser Topteil. Eigentlich nur als Notlösung gekauft haben wir sie dann doch über 6 Jahre zusammen mit einem Seeburg 12-Zoll Subwoofer betrieben. Die Box klingt für den Preis (259,- Euro) wirklich sensationell. Aber so richtig super gut eben auch nicht und uns war klar, daß wir irgendwann etwas „amtliches“ brauchen. Daher nun im November 2010 unser Test mit 3 anderen hochwertigen Audiosystemen.

Um es kurz zu machen, hier unser (ganz persönliches und subjektives) Fazit:

1. Die Seeburg Topteile haben uns nicht überzeugt. Allein schon das umständliche Handling mit der Lautstärke Regelung – kein Drehregler, sondern Taster, mit denen man aus 4 Presets (-6, -3, 0 und +3 dB) auswählen kann. Der Klang war nicht schlecht, allerdings hatten wir immer das Gefühl, als hätte jemand Watte in die Box gestopft. Klarheit und Brillianz in den Höhen hat uns doch deutlich gefehlt. Mit etwas EQ am Pult wurde es besser, aber wir finden, daß eine Box, die einen Ladenneupreis von ca. 2500,- Euro (pro Box!) hat, muss auch ohne Eingriffe am EQ gut klingen. Was uns gefallen hat: Gewicht mit 21kg noch angenehm und die Griffe oben an der Box sind auch praktisch. Allerdings wäre zumindest ein seitlicher Griff noch sinnvoll gewesen, denn wenn man die Box auf einen Ständer heben will, gestaltet sich das ohne einen Griff an der Seite etwas schwierig.

Den Subwoofer dagegen finden wir vom Klang her toll, angenehm leicht, abgrundtiefer und trockener Bass. Zwar das gleiche Problem mit dem nicht vorhandenen Laustärke-Regler, aber das können wir verschmerzen.

Seeburg acoustic line TSM sub dp+

TSM Sub & TSM12

Hier die Rückseite der TSM12, keine Lautstärke-Regelung

Das Anschlussfeld des Subs: leider nur ein Eingang

2. Die KS Anlage klingt super, allerdings könnte sie nach unserem Geschmack ein klein wenig „mittiger“ sein. Sehr tiefer Bass und kristallklare Höhen und dazwischen gibt es irgendwie ein kleines Loch. Aber das ist wirklich auf hohem Niveau gemeckert, der Grundsound ist nämlich wirklich spitze! Was uns nicht so gefällt ist, daß alles im Bass sitzt, alle Endstufen und die gesamte Elektronik. Wir hatten den Fall schonmal, daß uns unsere damalige Bassbox kaputt ging, wir konnten aber immerhin mit den Topteilen die Veranstaltung zu Ende bringen. Wenn der Bass der KS den Geist aufgibt, gehen entweder die Topteile gar nicht mehr (wenn die Endstufen defekt sind) oder man muss ohne Bass weiterspielen, was allerings bei den beiden 10“-Boxen dann wirklich nicht mehr so berauschend klingt. Top: Das Gewicht der passiven Topteile natürlich wunderbar niedrig, nur 10 kg. Der Bass mit 30kg schon deutlich schwerer, sollte man dann besser zu zweit tragen.

Der KS-Bass von hinten

Die komplette KS Audio Sat 3.0

KS-Bass von vorn

KS-Bass von vorn

3. Nun die beiden KME-Topteile, getestet Fullrange und im Verbund mit dem Seeburg Subwoofer.Wir hatten früher schonmal 2 KME Monitor-Boxen, die wir aus der Not heraus mal zu PA-Boxen umfunktioniert haben. Das klang zusammen mit einem Sub damals richtig gut und war für uns der Grund, daß wir zu unserem Test auch KME hinzugezogen haben. Die Versio VL 750 überrascht mit einigen durchdachten Details, wie einem kippbaren Hochständerflansch oder einem eingebauten Delay, wenn man sich doch mal eine Delayline bauen muss. Die Box liefert 750 Watt und ist deutlich größer als alle anderen Boxen im Test. Allerdings bleibt das Gewicht dank der komplett digitalen Technik bei erfreulichen 21kg. Und der Klang? Absolut spitze, genauso haben wir uns das eigentlich vorgestellt: brilliante Höhen, durchsetzungsfähige Mitten, die aber nicht plärren und ein erstaunlicher Bass. Das klang fast nach zugeschaltetem Seeburg-Subwoofer, aber der war nicht an. Man kann sich 4 Presets programmieren und so haben wir uns gleich ein Preset gebastelt, daß bei 100 Hz die Bässe rausnimmt. Man kann noch mehr programmieren, EQs, Limiter, Delayzeiten usw., aber für’s Erste reicht uns die Bassabsenkung. Wenn man mal richtig Dampf machte, waren die KME-Boxen die Einzigen, die auch bei sehr hoher Lautstärke noch einen angenehmen Klang produziert haben. Einziger Wehrmutstropfen: Der Hochständerflansch ist nicht so tief wie bei anderen Boxen, dementsprechend geht der Boxenständer nicht so weit hinein und dadurch ist das Ganze etwas instabil und wackelig. Aber dafür werden wir sicher dann eine Lösung finden. Wir behalten auf jeden Fall die KME Versio VL 750 und betreiben sie zusammen mit dem Seeburg Bass.

KME Versio VL 750

...und die Rückseite

4. Last but not least:

unsere gute alte PA302 A! Die bei weitem preisgünstigste Box hat sich wacker geschlagen. Immer wieder mussten wir feststellen, daß die Box erstaunlich gut klingt. Ja, sie wird schnell plärrig und die brillianten Höhen bringt sie auch nicht so recht, aber grundsätzlich ein ausgewogener Klang. Für den Preis echt ein Knaller. Wir werden auf jeden Fall unsere beiden alten PA302A behalten, denn es gibt immer mal Gelegenheiten, bei denen man noch eine oder zwei extra Boxen braucht, sei es für eine Delayline oder einen zweiten Raum, der beschallt werden muss.

Die Thomann-Box PA302 A

...und die Rückansicht

Übrigens: Alle Boxen waren einwandfrei verarbeitet und bis auf die nicht ganz so schicke Thomann-Box auch wirklich edel anzusehen und auf jeden Fall „Gala-tauglich“.

Wir hoffen, wir konnten mit diesem kleinen Vergleichstest dem einen oder anderen Leser weiterhelfen. Es bleibt natürlich unser persönlicher subjektiver Eindruck und im Zweifelsfall hilft es alles nix, dann heißt es zum Händler des Vertrauens fahren und persönlich antesten und -hören.